R.I.O.F. Design Manifest

Der „Club of Rome“ weist seit den 70er-Jahren auf die sich rasant verknappenden Ressourcen und die explosionsartige Bevölkerungsvermehrung hin.
Seit den 80er-Jahren haben wir die Gewissheit, dass vor allem die CO2-Emissionen das Weltklima signifikant verändern.

Für einen sozialen Frieden müssen wir nicht nur Arbeitsplätze erhalten, sondern im Ausgleich zur ständig steigenden Produktionseffektivität zusätzlich neue schaffen. Dies ist derzeit nur mit Wirtschaftswachstum möglich. Anhaltendes Wirtschaftswachstum als Wohlstandsvermehrung, drastisch reduzierte Klimagasfreisetzung und drastisch reduzierter Verbrauch fossiler Rohstoffe – ist das machbar?

Vordenker und Wissenschafter wie O2, Schmidt-Bleek, von Weizsäcker, Braungart und viele mehr zeigen Wege auf, dass diese scheinbar divergenten Ziele erreichbar sind. Wege, die ein radikales Umdenken und einen Paradigmen-Wandel einfordern.

RIOF geht diesen Weg, indem es Produkte und Dienstleistungen nach dem Leitsatz „Form Follows Sustainable Development – with Elegance“ entwickelt. Guide lines hierfür sind:

High ethics - High aesthetics - High technique

HIGH ETHICS

RIOF agiert in geschlossenen Stoffkreisläufen (CML = closed material loops), indem der gesamte Produktlebenszyklus von der Rohstoffgewinnung, der Auswahl, den Transporten, der Fertigung bis zur Wiedereingliederung der Wertstoffe in die Stoffkreisläufe berücksichtigt wird. Die stofflichen Reste des nicht mehr benötigten Produktes sind Ausgangspunkt für das Neue. Statt von der „Wiege zur Bahre“ von der „Wiege zur Wiege“.

Rohstoffauswahl und –beschaffung:

RIOF setzt auf NAWAROS (NAchWAchsende ROhStoffe) aus lokalem Umfeld, um Transportenergie zu minimieren.
Die eingesetzten NAWAROS werden kaum oder gar nicht mit chemischen Stoffen (Leime, Lacke) vermengt, um die biologische Abbaubarkeit zu halten. Rohstoffe wie Metalle, Glas etc. werden nur wenn technisch notwendig bzw. unumgänglich – dann allerdings sortenrein – eingesetzt, um das Recyceln möglichst einfach zu gestalten. Stoffe mit toxischen Auswirkungen (PVC, Nickel etc.) und Verbundwerkstoffe (schwer trennbare Materialkonglomerate) werden vermieden.

Transport:

Economics of scale oder die Wirtschaftlichkeit der Produktion in Großserien führte zu übermäßigen Transportvolumen in der Anlieferung der Teile und Rohstoffe zu den Werken und der Auslieferung zu den Kunden. In dieser nur scheinbar gegebenen Wirtschaftlichkeit sind die wahren Transportkosten (Umweltschäden durch Feinstaubfreisetzung, bodennahes Ozon, CO2 aus endlichen Fossilien, Lärm für Anrainer etc.) preislich nicht berücksichtigt.

Die „Fabrik der Zukunft“ (ein Forschungsprojekt des BMFIT) will Produktionsprozesse mithilfe aktueller Informationstechnologien so umgestalten, dass föderale Kleinserienfertigungen im lokalen Umfeld wieder konkurrenzfähig werden. Zudem sollen die verbleibenden notwendigen Transporte durch Volumensverminderung, Mehrwegverpackung, Bahntransporte etc. möglichst effizient gestaltet werden – oder sogar der Transport substituiert werden, indem statt Materie Produktionsdaten versandt werden.

Fertigung:

In der Fertigung wird auf energieaufwändige Prozesse verzichtet. Die dennoch erforderliche Primär-Energie kommt aus erneuerbaren Ressourcen (Solar, Wind, Wasser). Material und Energie werden um ein Vielfaches effizienter genutzt. Eine soziale Arbeits-Ethik ist eine weitere Grundvoraussetzung – keine Kinderarbeit, gerechte Löhne, menschliche Arbeitsbedingungen etc.

Rückbau:

RIOF konzipiert und wirtschaftet in geschlossenen Stoffkreisläufen (CML – closed material loops). Dies bedeutet sozusagen die Re-Inkarnation der Materialität, die Entwicklung zu einer Reduzierung von Deponien. Das Ende des einen ist der Beginn des neuen Produktes.

Ziel ist es, Produkte zu konzipieren, die möglichst einfach einerseits in ihre technischen und andererseits in ihre biogenen Bestandteile zerlegt werden können. Die technischen werden recycelt, d.h. zur Wiederverarbeitung aufbereitet; die biogenen werden über den Kompostierungsprozess zu neuen Werkstoffen oder thermisch-energetisch genutzt.

HIGH AESTHETICS

  • nicht öko-fundamentalistisch
  • essentiell
  • nach dem Prinzip „Weniger ist Mehr“

RIOF gibt Anstöße für eine neue Ästhetik und etabliert eine neue Formensprache.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nach dem Credo „Form Follows Function“ entworfen, die Zeit wurde durch den Ausdruck der Produkte stark geprägt. Es war vor allem eine Periode des Wiederaufbaus mit hohem Bedarf an Gütern nach den Kriegsjahren, eine Zeit des Mangels. Nachdem die Märkte gesättigt waren, wurde die Formel durch „Form Follows Fantasy“ ersetzt. Es ging nicht mehr um ein Erfüllen von Grundbedürfnissen, sondern um die Auswahl innerhalb einer Produktkategorie. Paradebeispiele dazu sind die Entwürfe der Postmoderne, die Anstoß an den Erlebnisfaktor geben.
Heute stehen wir vor einer neuen Herausforderung. Wir sind einerseits gefordert, neue, nachhaltige Produkte zu entwickeln und andererseits, die „richtigen“ Güter zu konsumieren. Das neue Paradigma „Form Follows Sustainable Development“ liefert nicht nur die Basis für das Entstehen einer neuen Formensprache, sondern führt darüber hinaus zu einer neuen Produktwahrnehmung, die sich in einer grafischen Formensprache, einer geänderten Oberflächenoptik (Farb-Material-Kanon), sowie durch authentische Haptik und authentischen Geruch manifestiert:

  • Klare Formen, die den Nutzer lenken
  • Kein fotografisches Abbild idealer Natur, sondern Echtheit – wie es keinen Baum ohne Äste gibt, gibt es auch kein Brett ohne Astknoten.
  • Kein Plastikfilm (Lack zwischen Hand und Oberfläche des Gegenstandes).
  • Der Geruch von Dingen bewirkt eine bewusst kaum spürbare, dennoch lang wirkende Wahrnehmung. RIOF riecht im Gegensatz zum Großteil der aktuell verfügbaren Möbel nicht nach „Plastik“.

Der eco-intelligente Gestaltungsansatz ist intrinsischer Bestandteil der Produktwahrnehmung. Die Zeit ist vorbei, in der man mit Ökoprodukten seine Gesinnung demonstrativ nach außen kommuniziert. Bei RIOF handelt es sich um eine subtile Qualität, welche von Menschen mit geschärftem und geschultem Sensorium wahrgenommen wird.

HIGH TECHNIQUE

Mit Tradition und Hightech zu neuen Holz-Verbindungen.
Das richtige Verarbeiten von Massivholz hat eine lange Handwerkstradition. Dabei von „highly technical“ zu sprechen, mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen. RIOF beschäftigt sich mit diesen Verbindungen und transformiert sie in die Sprache von nummerisch gesteuerten Verarbeitungsmaschinen.
Durch Kleber, welche stärker als die Quellkraft des Holzes sind und den rasanten Anstieg der Arbeitszeitkosten, finden diese heutzutage in der Holzindustrie und im Handwerk kaum noch Anwendungen. Durch die Nutzung dieser CNC-Technologie bleiben die Kosten im Rahmen.

Durch die Auseinandersetzung mit den überlieferten Konstruktionsprinzipien ist in den RIOF-Produkten das kulturelle Umfeld, die Herkunft spürbar.

Manche Designs aus der Kollektion sind Möbel, die es in ähnlicher Weise am Markt bereits gegeben hat oder noch gibt, die wir aber als bewährte Systeme empfinden und in ähnlicher Weise in die „RIOF-Sprache“ übersetzt haben. Unserem Verständnis nach geht es nicht immer darum, alles völlig neu zu erfinden, sondern die richtigen Konzepte auszusuchen und nach der Gestaltungsprämisse „FFSD“ herzustellen und anzubieten.
Dabei wollen wir uns nicht zu 100% und kompromisslos auf einen Leitsatz versteifen, sondern nehmen uns die Freiheit, situativ zu agieren. Es wäre verfehlt, ein Möbel schlechter zu machen, nur um dabei beispielsweise 100% Holz zu verarbeiten – vielmehr geht es darum, dass die Materialien trennbar bleiben und am Lebenszyklusende wieder in den jeweiligen Stoffkreislauf rückgeführt werden können.

Ein Großteil der Zertifizierungen und Umweltbewertungssysteme scheitert an einem Mangel an Objektivität, Ergebnisse sind beeinflussbar.
RIOF versucht, nachvollziehbar darzustellen, wie ein Produkt konzipiert ist und überlässt es dem Interessenten, sich seine eigene Meinung zu bilden.

Denn –
Ziel von RIOF ist es, authentisch und offen zu sein.

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